Virtual Reality Journalism – geht’s bald los?

Allerlei Fragen zu VR-Journalismus und -Storytelling  sind noch zu beantworten : Wie geht das technisch, welche Voraussetzungen müssen die Nutzer mitbringen (Geräte, Apps), auf welches System setzen wir, wie erzählt man immersiv, welche ethischen Implikationen müssen beachtet werden? Aber: faszinierende Möglichkeiten bieten sich, wie das torial blog  hier beschreibt. Echte Mittendrin-Reportagen stelle ich mir vor (verbunden mit der Frage, wie lange es dauert, VR-Geschichten zu produzieren – geht das tagesaktuell?), intensive VR-Erlebnisse von Orten, an die nicht jeder kommen kann.
Zwei Cardboard-Varianten warten schon darauf, zurechtgefaltet und ausprobiert zu werden.

#rp15-Notizen : Kognitive Dissonanz – Felix Schwenzel

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– Motto: Ich erzähle den gleichen Scheiß wie vor vier Jahren
– Ein Oettinger -Bild garantiert Lacher und Beifall
– „Dank des Internets sieht auch ein Menschenfreund wie ich, wieviele Arschlöcher es gibt“

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– Wahrnehmung ist kulturell geprägt : Homer hatte kein Wort für die Farbe Blau, wie wir sie kennen

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– Wer sagt als erster: Bannerblindheit? Tipp: nochmal das Foto genau angucken
– Kulturtechniken entwickeln sich erst dann, wenn Problem erkannt wird: Bsp. Kanalisation wurde gebaut, als begriffen wurde, dass Hygiene nützlich ist
– Ziel: Ambiguitätstoleranz

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#rp15-Notizen : Seven on Seven – Jacob Appelbaum, Ai Weiwei

– Seven on Seven: Seven technologists and seven artists paired up

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– Appelbaum reiste nach China, kannte Ai Weiwei vorher nicht (?!?), verbrachte einige Zeit mit ihm
– Laura Poitras Dritte im Bunde, gemeinsam Film produziert, der auf der rp15 gezeigt wird, verbunden mit der Bitte, ihn nicht zu verbreiten; Grund nicht genannt, Copyright?

Nachtrag Juli2015: Der Mitschnitt der Session enthält auch das Video – vielleicht galt damals eine Art Sperrfrist. Wie auch immer – hier geht’s zum Video.

– Film: Gespräche, Gedanken, Aufstellen v. Panda-Stofftieren auf einem Tisch, dann wird Füllung entfernt und m. Papier aus Schredder und zerstörten Speicherkarten gefüllt , Gespräche über geheime Geheimdienst-Akten, bevor Weiwei sie schreddert
– Hintergrund : Aktion heißt Panda to Panda – P2P – in China bedeutet Panda ‚Geheimagent‘
– Sarah Harrison bekommt v. Appelbaum einen Panda geschenkt,  als Dank für die Rettung v. Edward Snowdens Leben; sehr berührender Moment
– Weiwei hat keinen Pass, kann nicht reisen; Appelbaum lebt aus Angst vor Strafverfolgung in den USA in Berlin 
 

#rp15-Notizen : Imagining Europe with or without Muslims – Riem Spielhaus

– Diskussion über Muslime in Europa
– Abendspaziergänge in Dresden: viele waren überrascht, Beobachter konnten aber vorher schon in vielen europäischen Ländern eine anti-islamische Stimmung erkennen
– Pegida mittlerweile auch in Serbien, UK
– Gegen-Narrative entstehen gleichzeitig, Anti-Pegida, Refugees welcome
– im Internet sind die anti-islamischen Seiten sichtbarer als deren Gegner; Ideen, Texte, Karikaturen werden in Europa ausgetauscht

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– Narrativ: Europa ist christlich, Muslime sind also Einwanderer, alle Einwanderer planen Invasion (und haben hohe Geburtenrate, s. Sarrazin-These); damit verbunden: EU-Kritik, Slogan: Eurabia
– erstaunlich : Anti-Islamismus kommt aus Nationalismus, gegen den Islam verstehen sich aber Nationalisten plötzlich als Europäer, incl. Verweis auf Türken vor Wien im 17 . Jahrhundert
– Gegen-Narrative: Beispiele f. Muslim-Alltag in Europa vor dem 2 . Weltkrieg; muslimische Soldaten in beiden Weltkriegen; Muslime, die Juden vor den Nazis gerettet haben; russische Tataren im vergangenen Jahrhunderten,  islamische Kultur in Andalusien, muslimische Wissenschaftler 

#rp15-Notizen : Entzauberung: #Neuland – Julia Krüger

– Reise durch 30 Jahre Netzpolitik, interessant v.a. Darstellungen früher Technikerwartungen

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– Schon in 70er Jahren war Breitbandausbau m. Glasfaserkabeln geplant, aber laut Krüger wollten  Telekommunikations-Unternehmen  f. ihre Investitionen in Zwischenstufen längere Abschreibungs-Zyklen, deshalb m. politischer Unterstützung schneller Ausbau verhindert

#rp15-Notizen : Wider die Bewilligungskultur im Netz – Leonhard Dobusch

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– Warum ist das Urheberrecht eigentlich so kompliziert?
– Ist es gar nicht: Man darf ohne Rechteklärung eben nichts

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– Radiosender zahlen an GEMA und haben Weltrepertoire zur Verfügung, Spotify hat das nicht
– Videotheken hatten theoretisch Voll-Repertoire,  Netflix u. Co haben das nicht, nur illegale Anbieter haben das
– Problem: Rechteklärung im Einzelfall

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– Lücke des 20. Jahrhunderts: Die meisten Bücher sind 10 Jahre nach Veröffentlichung kommerziell uninteressant, sind aber urheberrechtlich länger geschützt,  werden deshalb nicht digitalisiert und sind deshalb nicht verfügbar
– Norwegen : Bokhylla -Projekt

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Schöne Definition von Remix

– Im Ausland mit Fair Use mehr Spielraum als in Europa
– YouTube ist derzeit das einzige Biotop, in dem Remixkultur straflos möglich ist
– Lösungen durch Kollektiv-Rechteverwertung wie in Skandinavien möglich

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Rechtaufremix.org
Dobuschs Blog

Video auf YouTube verfügbar

#rp15-Notizen : Hack Your City

Yannick Haan – Hack Your City
Thomas Bartoschek – Institut für  Geoinformatik
Thorsten Witt – Wissenschaft im Dialog
Julia Kloiber – Open Knowledge Foundation
Fiona Krakenbürger – Quelltextlesung

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– Hobbywissenschaftler beteiligen sich seit langem an Wissenschaftsprojekten, etwa Vogelzählung: Christmas Bird Count, Hobby-Meteorologen erheben Wetterdaten, die auch wissenschaftlich genutzt werden
– Wissenschaft öffnet sich: Bürger nicht mehr nur als Datensammler oder Versuchskaninchen, auch als Partner bei Formulierung v. Forschungsfragen und großen Projekten
– Bürger sind Experten für ihre Stadt
–  Renaissance der Städte in den vergangenen Jahren, Menschen ziehen wieder in Städte, auch in die Zentren
– Zugang zu Informationen wird einfacher: Open Data-Portale, muenchen-transparent.de, buergerbautstadt.de
– Biberach hat Jugendhaus mit viel Bürgerbeteiligung konzipiert
– ffm.de ‚Frankfurt fragt mich‘; Mängelmelder, Ideen einbringen
– Citizen Science kann noch mehr Beteiligungsmöglichkeiten eröffnen
– bundesweit wenige Mess-Stationen f. Umweltdaten, f. dichtes Messnetz Bürger einbinden; 
– Sensebox entwickelt: enthält Sensoren etc., Daten werden auf opensensemap.org ausgespielt, alles open: Daten, Code
– Sensebox in Warschau im Einsatz, nach U-Bahn-Bau stellen Bewohner Vibrationen in Häusern fest, Stadt wiegelt ab, es sei alles durchgemessen und in Ordnung,  m. Senseboxes jetzt Erschütterungsmessung
– cyclephilly.org : Fahrradwegenutzung getrackt, 300 Leute haben mitgemacht, dadurch Entscheidungsgrundlage f. Radweg-Pflege und -Ausbau

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– kollaborative Feinstaubmessung in Stuttgart geplant, Open Knowledge Lab i. Stuttgart baut gemeinsam m. Bürgern Mess-Kits
– Hack Your City im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2015
– Hackathons in Berlin Kickoff 9./10.5. , DO/W Kickoff Ende Mai, u.a. Städte
Infos unter hackyourcity.de

Der Video-Mitschnitt der Präsentation ist bei YouTube verfügbar.

#rp15-Notizen : 1914-1918 – Ein Kriegstagebuch und wie ich begann, das Internet wieder zu lieben

Julian Finn – vierzehnachtzehn.de

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– Kriegstagebuch des Urgroßvaters von Finn als Blog online gestellt, dazu Facebook und Twitter
– 10 Bücher in Kurzschrift aus dem Krieg mitgebracht, dann abgetippt und Finns Großvater gegeben

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– Reaktion hat Finn positiv überrollt
– nach und nach Hilfe geholt: Bildbearbeitung, Hosting
– SpOn hat berichtet, darüber kamen 20.000 Visits
– Unterstützung von diversen Leuten, z.B. Karte, Übersetzung ins Englische (allerdings wg. großen Aufwands immer noch nicht umgesetzt), Podcast-Idee, epub-Versionen, Community entstand

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– Finn war überrascht, wieviele Leute ohne Bezahlung aus Spaß mitgemacht haben
– Rahmenbedingungen : nicht-kommerzielles Angebot, Inhalte freigeben für andere, Kultur der Offenheit, Kontrolle aufgeben, Hilfe annehmen
– Schwieriger: Richtige Tonalität finden, um säumige Helfer anzusprechen
– Mail-Plugin hat Spam versendet : Panne klar kommunizieren, Bug noch nicht gefixt; in mobiler Version Werbung angezeigt  (Finn bittet um WordPress-Hilfe…)
– Urheberrecht: Opa ist lange tot, daher eigentlich kein Problem, aber viele haben Finn gefragt, ob sie Material nutzen können; Gemeinfreiheit wg. abgelaufenem Urheberrecht ist großer Vorteil des Projekts

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#rp15-Notizen : Direkter Draht zum Nutzer. Dank Facebook u. Co. bringen Schauspieler und Moderatoren ihr Publikum mit

Philipp Steuer, Online-Redakteur
Mod. Daniel Fiene

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– Snapchat in der Handhabung schwierig, obwohl Kinder das offenbar sofort verstehen
– Potential wg. Nutzung durch Jüngere, deshalb interessant
– VICE macht interessante Geschichten, Wundertüte
– YouTube f. Steuer manchmal Pflichterfüllung
– Younow hat Partnerprogramm, Kunden können gegen Geld Smileys, privilegierte Zugänge zu Akteuren erkaufen; zeitweise leicht verdientes Geld, daher anfangs viele YouTuber dabei

#rp15-Notizen : YouTube & Co: Chancen u. Grenzen f. die Zusammenarbeit m. den etablierten TV-Sendern

Ronald Horstman, GF Studio71
Bertram Gugel,  Medienwissenschaftler
Marcus Dimpfel, RTL interactive
Mod. Christoph Krachten

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– Nicht nur YouTube, auch andere Video-Plattformen
– Studio71 als MCN, nicht nur auf YouTube aktiv; Studios in München, Köln und Berlin; Reichweite erstmal wichtiger als Vermarktung;  TKPs auf YouTube oft weniger interessant als auf eigenen Plattformen,  deshalb auch restriktiver Umgang m. Inhalten
– RTL experimentiert m. Webonly-Inhalt; ebenfalls als MCN aktiv, auch MCNs gekauft; beobachten Vessel in USA m. zeitlich begrenztem Exklusiv-Vermarktungs-Ansatz
– Horstman : Leidenschaft der Channel-Hosts (Künstler) kann man nicht einkaufen oder selbst als etablierter Sender aufbauen; Lösung : Kanäle, die schon Reichweite haben, aber noch nicht groß sind in Bootcamp-Programm aufnehmen; Coaching in Kamera, Moderation etc.; aber ganzes Paket betrachten, nicht nur TV-Casting machen
– Gugel: Es gibt Kanäle mit enormer Reichweite, die drüber sind, nicht mehr wachsen; Follower vergessen nur, zu entfolgen
– Problem d. Abhängigkeit von externen Plattformen und deren Regeln; RTL freut sich über jede neue Plattform
– Können kleine Plattformen gegen YouTube ankommen? Gugel : Ich brauche nicht unbedingt ein Riesen-Entwicklerteam; wenn man gute Entwickler hat, ist einiges machbar, besonders über Apps, Chance muss aber auch ergriffen werden
– Clipfish f. Shortform-Videos ist profitabel, aber keine Goldgrube; RTLnow noch profitabler, aber technisch nicht m. YouTube vergleichbar,  durch RTL -Inhalte funktioniert das aber, als Standalone-Plattform würde das schwieriger

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– RTL versteht sich nicht mehr als TV-Sender, sondern als Content-Haus; Publikum und Werbekunden wollen mehr als lineares Fernsehen; Nutzungsmessung plattformübergreifend kommt jetzt

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– Horstman : Wir können auf den Plattformen international werden, kommen in Länder, in denen wir vorher nicht waren
– Dimpfel: Messproblematik, dass mobile Nutzung nicht einbezogen wird, Jugendliche sehen durchaus Bewegtbild v. TV-Sendern, aber nicht auf klassischen Fernsehern
– Perspektive : in 10 Jahren noch viel Linearität,  aber stark gestiegener non-linearer Anteil
– Lean-Back-Bedürfnis bleibt, wichtig ist , dann personalisiertes Programm zu bieten; personalisierte Live-Events; Segmentierung f. Spezial-Interessen; Ondemand v.a.  Serien
– Medienmarken, keine Sender mehr im Vordergrund in 10 Jahren